Side Pots und Splitpots: Wer bekommt was?
· von Florian Engler
Drei Spieler gehen All-in, aber jeder hat einen anderen Stack. Wer bekommt was? Und was passiert, wenn zwei Spieler genau die gleiche Hand haben? Side Pots und Splitpots sorgen am Tisch oft für Verwirrung. Dabei folgen sie einer einfachen Regel: Man kann nur so viel gewinnen, wie man selbst eingesetzt hat, von jedem Gegner.
Die Grundregel
Ein Spieler, der All-in geht, kann von jedem Gegner höchstens so viel gewinnen, wie er selbst im Pot hat. Setzt jemand mit 200 Coins All-in und sein Gegner hat 1.000, spielen die beiden nur um je 200. Die restlichen 800 des größeren Stacks sind für diesen Spieler nicht erreichbar.
Spielen weitere Spieler mit, die mehr Coins haben, setzen sie untereinander weiter. Dieses zusätzliche Geld kommt in einen eigenen Pot, den Side Pot, um den der kleinere Stack nicht mitspielt.
Ein Beispiel
Drei Spieler gehen vor dem Flop All-in:
- Anna hat 200 Coins,
- Ben hat 500 Coins,
- Clara hat 1.000 Coins.
So wird aufgeteilt:
| Pot | Wer zahlt ein | Größe | Wer kann gewinnen |
|---|---|---|---|
| Hauptpot | alle drei je 200 | 600 | Anna, Ben, Clara |
| Side Pot | Ben und Clara je 300 | 600 | Ben, Clara |
| Rest | Clara 500 | – | geht an Clara zurück |
Clara bekommt die 500 zurück, die niemand mehr ausgleichen konnte. Danach wird jeder Pot für sich verteilt:
- Hat Anna die beste Hand, gewinnt sie den Hauptpot mit 600. Den Side Pot gewinnt, wer von Ben und Clara die bessere Hand hat.
- Hat Ben die beste Hand, gewinnt er beide Pots, zusammen 1.200.
- Hat Clara die beste Hand, gewinnt sie beide Pots und hat am Ende 1.700.
Anna kann also höchstens das Dreifache ihres Einsatzes gewinnen, auch wenn ihre Gegner viel mehr Coins hatten.
Wenn der Side Pot nach dem Flop entsteht
Side Pots gibt es nicht nur bei einem All-in vor dem Flop. Wenn ein Spieler mit kurzem Stack früh All-in ist und die anderen weiterspielen, wetten sie auf Flop, Turn und River in den Side Pot. Ein wichtiger Nebeneffekt: Ein Bluff kann den Spieler, der schon All-in ist, nicht vertreiben. Er bleibt bis zum Showdown im Hauptpot. Wer den anderen Gegner aus dem Side Pot blufft, muss trotzdem gegen den All-in-Spieler gewinnen, um den Hauptpot zu bekommen.
Splitpots
Haben zwei Spieler am Ende gleich gute Hände, wird der Pot geteilt. Das passiert öfter, als man denkt:
- Wenn die beste Hand komplett auf dem Board liegt, etwa eine Straße mit allen fünf Karten, und keiner sie verbessert.
- Wenn beide dieselbe Hand mit gleichem Kicker haben, zum Beispiel A K gegen A K. In diesem Duell vor dem Flop endet ein großer Teil der Hände unentschieden.
- Wenn die Beikarten auf dem Board besser sind als die eigenen. Mit A 2 gegen A 3 auf A K Q J 9 spielen beide dieselben fünf Karten: A A K Q J.
Wichtig: Eine Hand besteht immer aus genau fünf Karten. Die sechste und siebte Karte zählen nicht. Deshalb nützt ein höherer Kicker nichts, wenn er nicht unter den besten fünf ist.
Und der übrig bleibende Coin?
Lässt sich ein Pot nicht glatt teilen, etwa 101 Coins für zwei Gewinner, bleibt ein Coin übrig. Im Kartenraum bekommt ihn der Gewinner, der in der Sitzreihenfolge ab dem Small Blind zuerst kommt. Bei mehreren übrigen Coins werden sie der Reihe nach verteilt.
Im Kartenraum
Am Tisch rechnet der Server die Pots automatisch aus. Nach dem Showdown siehst du, wer wie viel gewonnen hat. Wenn ein Ergebnis überrascht, lohnt der Blick auf die Stacks: Fast immer steckt ein Side Pot dahinter. Wie die Hände gegeneinander ranken, steht auf der Seite über die Pokerhände.