Wie viel setzen? Bet-Sizing verständlich erklärt
· von Florian Engler
Ob man setzt, ist die eine Frage. Wie viel, die andere. Die Größe einer Wette entscheidet, welche Hände der Gegner noch bezahlen kann, wie viel man mit einer starken Hand gewinnt und wie viel ein Bluff riskiert. Mit ein paar einfachen Regeln trifft man hier meistens eine gute Wahl.
Wofür man setzt
Jede Wette hat einen Zweck, und die Größe sollte zu ihm passen. Es gibt im Wesentlichen drei:
- Wert (Value): Du glaubst, die beste Hand zu haben, und willst, dass schlechtere Hände bezahlen.
- Bluff: Du glaubst, nicht vorn zu liegen, und willst, dass bessere Hände folden.
- Schutz: Du liegst vorn, aber der Gegner hat einen Draw. Er soll für seine Chance auf den Treffer nicht zu wenig bezahlen.
Eine Wette ohne klaren Zweck ist meistens ein Check, der sich wie eine Wette anfühlt.
Was eine Wette dem Gegner abverlangt
Je größer die Wette im Verhältnis zum Pot, desto mehr Gewinnchance braucht der Gegner, um zu zahlen. Das sind seine Pot Odds:
| Wette | Gegner braucht | Bluff muss klappen in |
|---|---|---|
| ein Drittel des Pots | 20,0 % | 25,0 % |
| halber Pot | 25,0 % | 33,3 % |
| drei Viertel | 30,0 % | 42,9 % |
| ganzer Pot | 33,3 % | 50,0 % |
| doppelter Pot | 40,0 % | 66,7 % |
Die rechte Spalte zeigt die Kehrseite: Wie oft ein Bluff dieser Größe den Gegner zum Folden bringen muss, damit er sich trägt. Eine kleine Wette ist für den Gegner billig zu callen, aber auch für dich billig, wenn er es tut. Eine große Wette setzt ihn stärker unter Druck, kostet dich aber viel, wenn er zahlt.
Vor dem Flop
Vor dem Flop gibt es eine Standardgröße, an die man sich halten kann: Wer als Erster eröffnet, erhöht auf etwa das 2,5- bis 3-Fache des Big Blinds, für jeden Spieler, der vorher nur mitgegangen ist, einen Big Blind mehr. Aus dem Small Blind darf es etwas mehr sein, etwa das 3-Fache, weil man danach ohne Position spielt.
Wichtig ist, mit allen Händen gleich groß zu erhöhen. Wer mit Assen auf das 5-Fache erhöht und mit 8 7 gleichfarbig nur auf das 2-Fache, verrät seine Hand, bevor der Flop liegt. Gegen eine Erhöhung erhöht man erneut auf etwa das 3-Fache der ersten Erhöhung, ohne Position eher das 3,5- bis 4-Fache.
Nach dem Flop: klein oder groß?
Nach dem Flop hängt die richtige Größe vor allem vom Board ab.
- Trockene Boards wie K 7 2 in verschiedenen Farben: Kaum Draws, wenig, was sich am Turn ändert. Hier reicht oft ein Drittel des Pots. Wer etwas getroffen hat, zahlt ohnehin, wer nichts hat, foldet auch auf eine kleine Wette.
- Nasse Boards wie J 10 8 mit zwei Herz: Viele Straßen- und Flush-Draws. Hier setzt man mit starken Händen größer, zwei Drittel bis drei Viertel des Pots, damit Draws für die nächste Karte zu viel bezahlen.
Ein Flush-Draw hat für die nächste Karte 19,1 % (vom Flop zum Turn). Gegen eine Wette über ein Drittel des Pots braucht er 20 %, ist also fast schon richtig mit einem Call. Gegen drei Viertel braucht er 30 %, und der Call ist klar falsch, solange er nicht auf spätere Gewinne hoffen kann.
Wie viel will ich bis zum River gewinnen?
Mit einer sehr starken Hand will man oft bis zum River alle Coins in der Mitte haben. Das geht nicht mit einer einzigen Riesenwette, auf die nur noch bessere Hände zahlen, sondern mit drei gleich großen Wetten auf Flop, Turn und River. Wie groß jede sein muss, hängt davon ab, wie tief die Stacks im Verhältnis zum Pot sind.
Ein Beispiel: Im Pot liegen 100, jeder hat noch 1.000. Damit nach drei Wetten genau alles in der Mitte ist, muss jede Wette etwa 88 % des jeweiligen Pots betragen: 88 auf 100, dann 243 auf 276 und am River die restlichen 669 auf 761. Mit nur 500 hinter jedem reichen drei Wetten zu je 61 % des Pots. Wer am Flop nur ein Drittel setzt, bekommt mit tiefen Stacks bis zum River nicht alles hinein.
Am River
Am River kommen keine Karten mehr. Es gibt keine Draws mehr, die man schützen muss, und keine Chance mehr, dass sich eine Hand verbessert. Jede Wette ist entweder Wert oder Bluff. Dafür gilt eine einfache Faustregel:
- Mit der stärksten Hand oder fast der stärksten setzt man groß. Hände, die gut genug zum Bezahlen sind, zahlen meistens auch eine große Wette.
- Mit einer guten, aber nicht überragenden Hand setzt man klein, oder man checkt. Die Hände, die eine kleine Wette bezahlen, sind oft schwächer; auf eine große Wette zahlen nur noch bessere.
- Bluffs macht man in derselben Größe wie die Wertwetten, die man an dieser Stelle machen würde. Sonst verrät die Größe, was man hat.
Die häufigsten Fehler
- Zu klein mit starken Händen auf nassen Boards: Die Draws zahlen gern, und wenn sie ankommen, verliert man den ganzen Pot.
- Zu groß mit mittleren Händen: Auf eine Wette in Potgröße zahlen schlechtere Paare selten. Man gewinnt wenig, wenn man vorn ist, und viel verliert, wenn nicht.
- Die Größe nach der Hand wählen, die man hat, statt nach der, die man vorgibt: Wer immer klein blufft und groß wertet, ist schnell durchschaut.
Wie die Computerspieler im Kartenraum setzen, kann man sich übrigens abschauen: Sie eröffnen vor dem Flop auf das 2,5-Fache des Big Blinds plus einen pro Limper und setzen nach dem Flop je nach Stärke der Hand zwischen der Hälfte und neun Zehnteln des Pots, am River mit sehr starken Händen am meisten. Im Tutorial kannst du verschiedene Größen ausprobieren und siehst danach, was der Trainer dazu sagt.