Kartenraum Hold'em

Poker lernen /

Position: Warum der Button der beste Platz am Tisch ist

Zwei Spieler mit denselben Karten treffen am selben Tisch unterschiedliche Entscheidungen, und beide liegen richtig. Der Unterschied ist der Platz, auf dem sie sitzen. Kaum etwas beeinflusst den Wert einer Hand so stark wie die Position, und kaum etwas wird von Einsteigern so oft übersehen.

Wer wann handelt

Vor dem Flop handelt zuerst der Spieler links vom Big Blind, man nennt seinen Platz under the gun (UTG). Dann geht es reihum im Uhrzeigersinn, zuletzt kommen Small Blind und Big Blind. Ab dem Flop ändert sich die Reihenfolge: Jetzt beginnt der erste noch aktive Spieler links vom Button, und der Button handelt in jeder Setzrunde als Letzter. Diese Reihenfolge bleibt bis zum River gleich.

Daraus ergeben sich die Namen der Plätze. Am Tisch mit sechs Spielern sind das, im Uhrzeigersinn ab dem Button: Small Blind (SB), Big Blind (BB), under the gun (UTG), Mitte (MP, middle position), Cutoff (CO) und Button (BTN). Am vollen Tisch mit neun Spielern kommen weitere frühe und mittlere Plätze dazu.

Vorteil 1: Information

Wer zuletzt handelt, weiß mehr. Hat dein Gegner gecheckt, kannst du mit einer mittelstarken Hand ebenfalls checken und kostenlos die nächste Karte sehen, oder du setzt, weil sein Check Schwäche verraten könnte. Hat er gesetzt, siehst du, wie groß die Wette ist, bevor du dich festlegst. Der Spieler vor dir muss dagegen in jeder Runde raten, was du tun wirst.

Ein einfaches Beispiel: Du hast am Flop einen Flush-Draw. Sitzt du hinter deinem Gegner und er checkt, entscheidest du selbst, ob du die nächste Karte umsonst siehst. Sitzt du vor ihm, musst du entweder setzen und riskieren, dass er erhöht, oder checken und riskieren, dass er setzt und dir einen teuren Call abverlangt. Gleiche Karten, ganz andere Lage.

Vorteil 2: Kontrolle über die Potgröße

Der Spieler in Position bestimmt, ob eine Setzrunde ohne Einsatz endet. Checkt der Gegner, kann er ebenfalls checken und den Pot klein halten, wenn seine Hand gut, aber nicht sehr gut ist. Mit einer starken Hand kann er dagegen setzen und den Pot wachsen lassen. Wer außerhalb der Position sitzt, hat diese Wahl nur, wenn der andere mitspielt.

Vorteil 3: Weniger Gegner hinter dir

Vor dem Flop zählt noch etwas anderes: Wie viele Spieler handeln nach dir und könnten eine bessere Hand haben? Unter the gun am Sechsertisch sind es fünf, am Button nur noch zwei. Das macht einen großen Unterschied. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Gegner Damen, Könige oder Asse bekommt, liegt bei 18 von 1.326 möglichen Händen, also 1,4 %. Bei fünf Gegnern hat in 6,6 % der Fälle mindestens einer eine dieser Hände, bei zwei Gegnern nur in 2,7 %. Nimmt man A K dazu, sind es 12,2 % gegen 5,1 %.

Noch wichtiger ist, dass jede Hand, die du eröffnest, gegen die besten Hände der Spieler hinter dir bestehen muss. Je mehr Spieler noch kommen, desto häufiger wacht einer mit einer starken Hand auf, und desto stärker muss deine eigene sein.

Was das für deine Starthände heißt

Aus diesen drei Vorteilen folgt die wichtigste Regel für Einsteiger: Je später deine Position, desto mehr Hände kannst du spielen. Ein solider Spieler eröffnet am Sechsertisch, wenn vor ihm noch niemand erhöht hat, ungefähr so viele Hände:

Positioneröffnet etwadazu kommen unter anderem
UTG17 %Paare ab 5 5, gleichfarbige Asse, A 10o und besser, K Qo, K Jo, gleichfarbige Könige ab K 8s
MP21 %K 10o, Q 10o, J 10o, 10 9s, J 9s
CO28 %4 4, A 9o bis A 7o, 9 8s, 8 7s
BTN42 %3 3, 2 2, jedes Ass, K 9o, Q 9o, 7 6s und viele weitere gleichfarbige Hände
SB50 %etwa 9 8o, 6 5s, K 6o, nur noch gegen den Big Blind

Genau aufgeschlüsselt zeigt das die Starthand-Tabelle, für sechs, neun und zwei Spieler. Wichtig ist das Prinzip: K 10 verschiedenfarbig ist unter the gun eine Hand, die man wegwirft, am Button eine, mit der man erhöht. Die Karten sind dieselben, aber am Button müssen sie nur noch gegen zwei zufällige Hände bestehen, und nach dem Flop handelst du immer zuletzt.

Die Blinds: früh und spät zugleich

Small Blind und Big Blind sind besondere Plätze. Vor dem Flop handeln sie zuletzt, was gut ist. Nach dem Flop handeln sie zuerst, was schlecht ist, und zwar für den ganzen Rest der Hand. Dazu kommt, dass sie schon Geld im Pot haben, ob sie wollen oder nicht. Deshalb verlieren die meisten Spieler auf diesen beiden Plätzen auf Dauer Coins, auch gute. Das Ziel ist dort nicht, zu gewinnen, sondern möglichst wenig zu verlieren.

Daraus folgen zwei Faustregeln. Im Small Blind erhöht man lieber, als nur den halben Big Blind nachzuzahlen, weil man sonst mit einer mittelmäßigen Hand ohne Position in einen Pot geht. Im Big Blind verteidigt man dagegen recht viele Hände gegen eine kleine Erhöhung, weil man schon einen Big Blind investiert hat und der Call billig ist.

Position nach dem Flop nutzen

In Position kannst du dir ein paar Dinge erlauben, die außerhalb der Position teuer werden:

Außerhalb der Position gilt das Gegenteil: Spiel weniger Hände, und wenn du spielst, dann eher klare. Starke Hände, mit denen du setzen kannst, und Hände, die du schnell aufgeben kannst. Mittelstarke Hände ohne Position sind das, was Einsteigern am meisten Coins kostet.

Am Tisch ausprobieren

Am schnellsten lernt man das Gefühl für Position, wenn man bewusst darauf achtet. Schau vor jeder Hand zuerst, wo der Button liegt, und erst dann auf deine Karten. Im Tutorial nennt dir der Trainer vor jeder Entscheidung deine Position und wie viele Hände man von dort aus spielt. Nach ein paar Runden wirst du merken, dass dieselbe Hand sich auf verschiedenen Plätzen ganz unterschiedlich anfühlt. Das ist genau richtig so.

Weiterlesen